Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit ist nicht nur für jeden einzelnen Betroffenen ein persönlicher Schicksalsschlag, sondern bedeutet gesamtwirtschaftlich, dass Deutschland hinter seinen produktiven Möglichkeiten zurückbleibt. Derzeit sind hierzulande deutlich unter drei Millionen Menschen arbeitslos. Insgesamt erhalten rund sechs Millionen Erwerbsfähige staatliche Unterstützung. Das ist jeder siebte des Erwerbspersonenpotenzials. In der Politik führt das Thema „Arbeitslosigkeit“ immer wieder zu intensiven und auch emotional geführten Debatten, etwa um Langzeitarbeitslosigkeit, Hartz IV oder die Einführung von Mindestlöhnen. Reformen, die es mehr Menschen in Deutschland ermöglichen, aktiv am Erwerbsleben teilzuhaben, sind dringlich geboten.

Lebenszufriedenheit durch Arbeit und Wohlstand schaffen

Schöb

(06.07.2017) Die Frage nach der Lebenszufriedenheit steht hoch im Kurs der Politik. Mit der Frage, ob Geld zu unserem Lebensglück beiträgt, beschäftigt sich seit einigen Jahrzehnten die Glücksforschung. Die Diagnose ist, dass steigender Wohlstand Gesellschaften ab einem bestimmen Niveau nicht mehr zufriedener macht. Träfe dieser Befund zu, würde dies Wirtschaftswachstum als Ziel der Politik deutlich in Frage stellen. Das Streben nach mehr Einkommen hat jedoch vielfältige positive Effekte. So erlaubt ein höheres Einkommensniveau mehr Ausgaben z. B. für Gesundheit, Umweltschutz, Sicherheit und Umverteilung. Die Politik sollte daher für wachstums- und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen sorgen. Dies würde auch dazu beitragen, die gute Beschäftigungssituation in Deutschland zu sichern und so zu einer höheren Lebenszufriedenheit beitragen. Denn diejenigen, die Arbeit haben, sind in der Regel deutlich zufriedener als diejenigen, die arbeitslos sind.

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ECONWATCH-Policy Brief Lebenszufriedenheit
Video: Wirtschaftspolitik verstehen: Macht Geld doch glücklich?

Chancen der Migration nutzen!

Poutvaara

(20.04.2016) Mit knapp 1,1 Millionen registrierten Asylsuchenden sowie weiteren Einwanderern, insbesondere aus EU-Mitgliedstaaten, betrug die Nettoeinwanderung nach Deutschland 2015 knapp 2 Prozent der deutschen Bevölkerung. Dies ist in internationaler und historischer Perspektive ein Spitzenwert. Die Frage, ob Migration zu einer Be- oder Entlastung der Sozialkassen führt, hängt entscheidend davon ab, wie gut Zuwanderer in den Arbeitsmarkt integriert werden. „Migration ist aus ökonomischer Sicht ein Gewinn, wenn die Zuwanderer schnell in Arbeit kommen – leben sie hingegen von Sozialleistungen, dann stellt die Zuwanderung eine Belastung für die Sozialkassen dar“, sagt Panu Poutvaara, Direktor des ifo Zentrums für Migrationsforschung. „Neben einem flächendeckenden Angebot an Sprachkursen sowie Möglichkeiten der (Weiter-)Qualifikation ist ein Abbau von bürokratischen Hürden auf dem Arbeitsmarkt notwendige Bedingung für eine erfolgreiche Integration“, so Poutvaara. „Hierzu gehört, Wartefristen und Vorrangprüfung abzuschaffen sowie die für Einstiegsqualifikationen oder Langzeitarbeitslose geltende Ausnahmeregelung vom Mindestlohn auch auf Flüchtlinge anzuwenden“, stellt Poutvaara fest. Um auch perspektivisch die notwendigen Fachkräfte nach Deutschland zu holen, ist darüber hinaus eine bedarfsgerechte Steuerung der Zuwanderung im Rahmen eines Zuwanderungsgesetzes notwendig.

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ECONWATCH-Policy Brief Migration
Präsentation Migration Prof. Panu Poutvaara, Ph.D. (ifo Institut München)
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Vom „kranken Mann Europas“ zu „Europe's Engine“

Fitzenberger

(04.02.2016) In den frühen 2000er Jahren wurde Deutschland oft als „kranker Mann Europas“ bezeichnet. Die Arbeitslosenquote lag 2005 bei 11 Prozent, knapp 5 Millionen Menschen waren arbeitslos. Dies hat sich grundlegend geändert. Deutschland gilt nach der Wirtschaftskrise als „ökonomischer Superstar“ oder „Europe's Engine“: die Zahl der Arbeitslosen sank auf unter 3 Millionen, die Arbeitslosenquote auf fünf Prozent. Die Beschäftigung liegt auf Rekordniveau. Insbesondere während der Wirtschaftskrise zeigte sich der deutsche Arbeitsmarkt erstaunlich robust – im Gegensatz zu vielen europäischen Nachbarn. Mit 7,7 Prozent der weltweiten Exporte erreichte Deutschland 2011 ein Allzeithoch der Ausfuhren. Als Ursache für diese Entwicklung werden häufig die „Hartz“-Reformen genannt, die 2003-2005 umgesetzt wurden und mit denen in erster Linie Anreize für eine Arbeitsaufnahme von Arbeitslosen vergrößert und die Vermittlungseffizienz der Bundesagentur für Arbeit verbessert werden sollte. Allerdings hat das bereits in den 1990er Jahren einsetzende niedrige Lohnwachstum, das sich erst über die Zeit voll ausgewirkt hat, maßgeblich dazu beigetragen, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft gestiegen ist. Das hat den Boden bereitet, auf dem die Hartz-Reformen ihre Wirkung entfalten konnten.

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ECONWATCH-Policy Brief Wettbewerbsfähigkeit
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Mindestlohn schafft Armutsrisiken

Schöb

(16.06.2014) Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf für die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde auf den Weg gebracht. Damit wagt sie ein großes arbeitsmarkt- und sozialpolitisches Experiment mit erheblichen Risiken. „Ich sehe die Gefahr, dass der Mindestlohn zu Arbeitsplatzverlusten insbesondere in Ostdeutschland und zu mehr Schwarzarbeit führt. Damit wird das Ziel, Armut trotz Arbeit zu bekämpfen verfehlt und es werden zusätzliche Armutsrisiken geschaffen“, sagt Ronnie Schöb von der Freien Universität Berlin gegenüber ECONWATCH. Vergleiche mit anderen Ländern, wo die Einführung von Mindestlöhnen zu keinen größeren Arbeitsplatzverlusten geführt hat, hinken oftmals. „In den USA und Großbritannien waren nur etwa 5 Prozent der Arbeitnehmer von der Einführung des Mindestlohns betroffen. In Deutschland dürften es dagegen 14 Prozent sein. Völlig verfehlt ist der Vergleich mit Frankreich. Zwar ist der französische Mindestlohn mit 9,43 Euro recht hoch, allerdings bekommen Unternehmen dort einen staatlichen Lohnzuschuss von rund 2,45 Euro pro Arbeitsstunde. Beim französischen Mindestlohn handelt es sich also um ein Kombilohnmodell, bei dem der Staat die Löhne jährlich über 22 Mrd. Euro subventioniert“, so Schöb. Statt mit dem Mindestlohn Arbeitsplätze zu gefährden, sollte die Bundesregierung Hürden am Arbeitsmarkt abbauen, für gute Bildungs- und Ausbildungsbedingungen sorgen und damit Einkommenschancen verbessern.

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ECONWATCH-Policy Brief Mindestlohn
Präsentation Mindestlohn von Prof. Dr. Ronnie Schöb (Freie Universität Berlin)
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Koalitionsvertrag 2013: Gefahr für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit!

Haucap

(17.12.2013). Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD bleibt deutlich hinter dem zurück, was angesichts der aktuellen Herausforderungen wirtschaftspolitisch notwendig wäre: Bei der Energiewende setzt die kommende Bundesregierung nach wie vor zu wenig auf die kostendämpfende Wirkung von Markt und Wettbewerb. Die geplanten Rentenmaßnahmen wie die Mütterrente und die Lebensleistungsrente gefährden die nachhaltige Finanzierung der Rentenversicherung und damit ihre Demografiefestigkeit. Die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro bedroht Arbeitsplätze vor allem in Ostdeutschland. Zudem hat die Koalition beschlossen, die Reformen der Agenda 2010, die entscheidend zur aktuellen Wirtschaftskraft Deutschlands beigetragen haben, an vielen Stellen zurück zu drehen. Insgesamt sind das keine guten Aussichten für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit.

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ECONWATCH-Policy Brief Koalitionsvertrag


Wirtschaftspolitik der Bundesregierung zeigt mehr Schatten als Licht

Feld

(15.05.2012) Die vergangenen zweieinhalb Jahre waren vor allem durch die Staatsschuldenkrise in Europa und die Energiewende geprägt. Wichtige Reformvorhaben wie bei den Steuern oder der Sozialversicherung sind auf der Strecke geblieben. Die Bundesregierung sollte die verbleibende Zeit bis zur Bundestagswahl nutzen, um sichtbare finanz- und wirtschaftspolitische Spuren zu hinterlassen. "Die Haushaltskonsolidierung muss auf allen föderalen Ebenen konsequent vorangetrieben werden. Steuerstrukturreformen und Haushaltskonsolidierung sind gleichzeitig möglich, wenn die Reformen haushaltsneutral ausgestaltet werden – insbesondere durch einen beherzten Abbau von Subventionen und Steuervergünstigungen. Hier ist mehr politischer Mut gefragt! Weitere Strukturreformen z. B. im Bereich der Kranken- und Pflegeversicherung stehen nach wie vor aus. Mindestlöhne gefährden die Erfolge auf dem Arbeitsmarkt auf dem Rücken derer, die sich am wenigsten wehren können – den Geringqualifizierten" sagt Lars P. Feld, Direktor des Walter Eucken Instituts und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

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ECONWATCH-Policy Brief Wirtschaftspolitik Bundesregierung


Alternativen zu aktuellen und vergangenen Reformen

(28.07.2010) Trotz des konjunkturellen Aufschwungs erhalten sechs Millionen Erwerbsfähige in Deutschland staatliche Unterstützung. Das ist jeder siebte des Erwerbspersonenpotenzials. Arbeitslosigkeit ist in Deutschland vorwiegend ein Qualifikationsproblem. Die Hartz-Reformen haben zwar die Anreize zur Arbeitsaufnahme verbessert, jedoch ist die derzeitige Anrechnung von Einkommen auf die Förderung unzweckmäßig, da Vollzeit- gegenüber Teilzeitbeschäftigung diskriminiert wird. Als Königsweg gegen Arbeitslosigkeit, sind bildungspolitische Maßnahmen zu forcieren. Lohnergänzungssysteme müssen anreizkompatibler ausgestaltet werden und zugleich die fiskalischen Belastungen möglichst gering halten. Auf Mindestlöhne sollte dringlichst verzichtet werden, denn sie führen zu Arbeitslosigkeit, gerade bei Geringqualifizierten.

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ECONWATCH-Policy Brief Arbeitsmarktreform
Präsentation Arbeitsmarktreform von Prof. Dr. Ronnie Schöb


Unternehmertum – Weg aus der Arbeitslosigkeit?

(14.04.2009) Die Einführung der „Ich-AGs“ im Rahmen der Hartz-Reformen hat zu einer Gründungswelle in Deutschland geführt. Dass diese Gründungen oftmals wieder in Arbeitslosigkeit münden, hat sich empirisch nicht bestätigt. Auch verdienen die Gründer Jahre nach der Förderung mehr als vergleichbare Personen. Unternehmertum kann – gefördert oder nicht – durchaus als erfolgversprechender Weg aus der Arbeitslosigkeit gesehen werden. Neben der Ausgestaltung der Förderinstrumente sind eine möglichst kurze Dauer vorangegangener Arbeitslosigkeit sowie die vorhandene Berufserfahrung in derselben Branche entscheidend für den Erfolg. Darüber hinaus können der Abbau bürokratischer Hemmnisse und die Verbesserung der ökonomischen Schulbildung das Gründerumfeld am Standort Deutschland günstig beeinflussen.

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ECONWATCH-Policy Brief Unternehmertum - Weg aus der Arbeitslosigkeit?


Lernen von der Schattenwirtschaft

(19.02.2009) Die Beurteilung von Aktivitäten im Bereich der Schattenwirtschaft fällt zumeist eindeutig aus: Betätigungen in diesem Wirtschaftszweig sind gesellschaftlich unerwünscht, werden bisweilen als unmoralisch angesehen und sind zudem häufig illegal. Der Staat beklagt milliardenschwere Ausfälle von Steuern und Sozialabgaben. Jedoch wächst die Schattenwirtschaft in Deutschland seit Jahren kräftiger als die offizielle Wirtschaft. Eine Konsequenz hieraus ist, dass es Deutschland wirtschaftlich besser geht, als in offizielle Statistiken auswiesen wird. Doch was macht den „Erfolg“ der Schattenwirtschaft aus? Die Verträge in der Schattenwirtschaft werden freiwillig und unbürokratisch zwischen den Vertragspartnern geschlossen. Bei den vereinbarten Zahlungen gilt „brutto gleich netto“. Möchte die Politik die Schattenwirtschaft wirksam bekämpfen, sollte sie daher den Arbeitsmarkt unbürokratischer gestalten und die Steuer- und Abgabenlasten reduzieren.

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ECONWATCH-Policy Brief Schattenwirtschaft